Der Konkurrenz voraus

Konkurrenz, lat. concurrere «miteinander rennen» meint das Natur-Phänomen, in dem sich Organismen wechselseitig beeinträchtigen, weil sie dieselbe begrenzte Ressource nutzen. Logisch – bei unbegrenzten Ressourcen gibt es kein Rennen. Das Synonym Rivalität kommt von lat. rivus «Bach» und hat den Ursprung in der Frage, wer Wassernutzrechte hat und wer nicht. Wasser ist begrenzt.

Gleichzeitig steht auf Wikipedia, dass Konkurrenz ausserhalb der Ökologie «den emotionalen Wettbewerb um Ansehen, Macht oder Zuneigung» meint. Moment mal. Ist Ansehen begrenzt? Ist Macht begrenzt? Wie steht es mit Zuneigung? Wenn ich etwa Zuneigung als begrenzt wahrnehme, woran liegt das? Wenn ich renne, weiss ich noch wofür ich renne? Merke ich es, wenn ich beim Rennen vergesse, was für mich wichtig ist? Oder dass noch andere mit-rennen? Schaffe ich es, mein eigenes Rennen aufs Wesentliche zu reduzieren – meine eigene Konkurrenz zu begrenzen?

Einstein (der schon wieder) meinte zur unbegrenzten Konkurrenz, dass sie «zu einer riesigen Verschwendung von Arbeit und zur Lähmung des sozialen Bewusstseins von Individuen führt.» Er propagierte als Lösung ein Wirtschafts- und ein Bildungssystem, das sich an sozialen Werten orientiert. Und wie entstehen soziale Werte? Natürlich in der zwischenmenschlichen Interaktion, wie sonst soll ein Mensch den Wert seines sozialen Lebens erfahren…So wie das bekannte Gefangenen-Dilemma nur ein Dilemma ist, solange die Beteiligten nicht miteinander kommunizieren; genauso ist das Konkurrenzproblem erst lösbar, wenn wir miteinander darüber reden, was für uns wichtig ist und wofür wir rennen.

Wir müssen also, wie viele Wirtschaftsheinis schon gesagt (aber anders gemeint) haben, «der Konkurrenz voraus sein»: uns überlegen, wo wir gemeinsam hinrennen.

Artemi