Eine neue Geschichte

Die Nacht liegt schwarz auf Deinem Kopf
Auf Deine faltenvolle Stirn
Ein kleiner frischer Regentropf
Und Du schaust hoch zu dem Gestirn
Das Dich erinnert gleich an etwas
Was seit langem Du gesucht
An etwas Deines Traums entwichen
Dies etwas hat sich eingeschlichen
zwischen Deines Atems Pause
Du willst dorthin. Nach Hause
ruft Dich eines Engels Stimme.
Suchst vergebens nach dem Sinne
Der Gedanken. Bist verwirrt.

Mit sage und schreibe
20 Jahren altem Leibe
20 Jahre harter Arbeit
20 Jahre lernen bist verwirrt und nicht nur das.
Du findest nicht mal Deinen Spass
an all’ dem was
Dir Sauf und Frass
ich meine – Trank und Speis
und Geld und Haus
und Saus und Braus
Du willst da ganz ganz schnell hinaus
und in die Welt hinein.
Du glaubst das kann kein Leben sein
Du spürst den Drang wie ‘n kleines Kind
ganz eil-geschwind
von mir aus blind
an irgendwas zu glauben
irgendetwas anzufassen
Dich auszuziehen
Dich zu betrinken
Dich zu verlieren
In der guten alten Welt.
Was Dich davon abhält
zu leben ohne täglich Schmerz
DAS willst Du heute endlich finden.

Und du spazierst entlang den Linden
und den Eichen.
Du berührst mit Deiner Hand
beginnst die Rinde sanft zu streicheln
fühlst das Leid von all’ den Jahren
Die die Eiche schon erlebt
Und Dir wird klar: Du bist erfahren
Doch nicht was die Natur angeht.

Aber… die Natur bist ja auch Du!
Und dies obwohl uns Herze zerbrechen
Wenn über Natur wir sprechen
Die Menschen selbst wir kaum erwähnen.
So stehst Du da, und voller Tränen.
Willst nicht wissen mehr, nicht denken
Magst der Eiche Freiheit schenken
Die so scheinbar trostlos hilflos dicht umzäunt
So unverträumt
Du quillst vor Scham und Angst tritt auf
Jagt Deine Ruh’ den Berg hinauf
Du willst im Zorn bald Knochen brechen

Doch dann beginnt der Baum zu sprechen.
Sanft mit leichter, tiefer Stimme
Macht er eine Tür Dir auf und umarmt Dich warm und ruhig.
Wartet bis Dein Atem sich gesenkt
und Dein Verstand leicht abgelenkt
Dann spricht die Eiche:
“Hör, die Frösche in dem Teiche
Sieh die Blumen da im Wald
Spür den Wind und meine weiche
Rinde”
Und du hörst dem Kinde
zu
und Du findest Deine Ruh.
Du setzt Dich nieder auf den Rasen
Rund um Dich herum ganz plötzlich Hasen,
Reh’ und Streifenhörnchen springen,
Vögel hörst Du plötzlich singen
Und in Deines Körpers jedem Glied
Verspürst ganz ungewollt Dein Lied.
Und als die Zweifel langsam schwächeln
Erkennst auf Deinem Antlitz Du ein Lächeln.
Bedankend Dich bei all’ den Seelen
stehst Du auf und gehst spazieren entlang der Linden
Du liest dabei Dein Manuskript und siehst die Worte nun verschwinden
Das Papier hältst Du nur fest, die Sätze Dir entgleiten
Da entzieht sich Deiner Macht nun scheinbar etwas
Du bleibst stehen,
und du spürst wie Milliarden Seelen Dich ansehen
Und ein Licht kommt durch die Dunkelheit urplötzlich stehst Du da
Der Held, der Kühne
Auf der sonst ganz leeren Bühne
In der Hand Beschreibstoff und ‘ne Feder
Bemerkst Du Deine Schuhe nun aus Leder
Edle Kleider, die die Tiere Dir geschenkt
Dir fallen all’ die Gaben auf, die Du als Nahrung hast gekriegt von manchen Pflanzen
Und als aus Freude voller Dankbarkeit beginnst zu tanzen
Fällt Dir auf, wie Du strahlst und wie Dein Herz nun offen
Du bist im Garten Eden eingetroffen.

Und gleich entscheidest Dich nun den zu hüten und zu pflegen
Als über Deinen Körper Regen
fällt und Deinen Namen schreibst Du aufs Papier
Denn diese wundervolle Welt nennt Dich ihr eigen.
Barfuss stehst Du auf der weichen Erde
Nackt, doch warm, geborgen sagst “Ich werde
dem Planet(en), der Mich gebar nun Würde zeigen,
Ich werde Mich vor Dir, Natur, verneigen,
So wie Du Dich vor Mir verneigst”
Das alles gesagt, nimmst Dein leeres Papier
Drauf legst Du die Hand und Du schwörst ewig ehrlich zu bleiben.
Dann setzt an die Feder ‘ne neue Geschichte zu schreiben.