Anleitung: Studiotisch selber bauen – günstig und mit Keyboardauszug

Warum Studiotisch selber bauen?

Ich wollte schon lange einen Studiotisch haben, der mir den Workflow beim Produzieren erleichtern würde. Hier sind meine vier Gründe, wieso ich keinen Tisch gekauft habe (obwohl es ein paar tolle und zahlbare Tische zu kaufen gibt, wie z.B. diesen hier), sondern mich entschieden habe einen Studiotisch selber zu bauen:

  • Ergonomie: Mir waren Dinge wichtig wie Bildschirmhöhe, Beinfreiheit und Zugänglichkeit des Equipments.
  • Optik: Ich wollte eine Mischung aus schwarz/klassisch und edel/Holz.
  • Custom Design: Ich will die Abhörlautsprecher auf der richtigen Höhe haben, Platz für die Controller auf dem Tisch, 2×4 19-Zoll-Racks fürs Equipment und Platz für mein geliebtes 25 kg schweres 1.3m breites Nord Stage Piano im Keyboardauszug.
  • Kosten: Ich wollte, dass das Material nicht mehr als 300€ kostet

Vielleicht habe ich ihn auch nur gebaut, weil wieder mal Lust hatte auf ein mittleres Bauprojekt 🙂

Was du dafür brauchst: Werkzeug und Material

Da ich kein Profi-Handwerker bin, musste ich auch alles ohne Spezialwerkzeug machen. Du kannst also alle Vorgänge hier mit normalem Werkzeug machen:

  • Stichsäge oder Handsäge (falls du noch keine hast, empfehle ich diese Stichsäge oder diese Handsäge – beides unkaputtbar, wirst du dein Leben lang nutzen)
  • Bohrmaschine
  • Schraubenzieher, Hammer
  • Schraubzwingen, oder noch besser Einhandzwingen
  • kleine Metallsäge
  • Winkel
  • Messband

Wenn du es dir bequemer machen willst, empfehle ich zwei sehr günstige Maschinen, die ich mir kürzlich angeschafft habe, die ich seither fast täglich nutze und einfach liiiiiebe:

Mit der Tischkreissäge macht mir Holzarbeiten um einiges mehr Freude und ich kann genauer arbeiten. Mit dem Exzenterschleifer macht z.B. das Abschleifen einer Tischplatte richtig Lust und geht ganz schnell. Plus, das Ergebnis wird garantiert perfekt.

Studiotisch, den wir selber bauen – Was kann der alles?

Hier die Feature-Liste, um die Vorfreude auf das Bauen zu erhöhen:

  • Alles um 30° angewinkelt für die Symmetrie und zur leichten Anordnung der Abhörlautsprecher
  • Zwei 19-Zoll-Racks
  • Erhöhte Auflage für den Bildschirm
  • 60 cm tiefe Tischplatte mit genug Platz für Tastatur UND Controller
  • 1.5m breiter Tisch mit viel Platz
  • Abnehmbare Racks und Bildschirmauflage für erleichterten Transport des Möbels
  • Abnehmbare Tischplatte, mit Exzenterbeschlägen stabil montiert
  • Keyboardschublade in der genau richtigen Grösse, mit Tragkraft über 30 kg, ohne nerviges Federn und ohne Boden, für maximale Beinfreiheit
  • Kabelkanal verbindet beide Racks
  • Zusätzlicher Platz auf den Racks
  • Zusätzlicher Stauraum unter dem Bildschirm

Bauanleitung Studiotisch mit Keyboardauszug

Ich versuche möglichst keine genauen Masse anzugeben, sondern Formeln, damit du dir die Masse nach deinen Bedürfnissen selber berechnen kannst und dich gleichzeitig nicht mit Cosinus und dergleichen herumschlagen musst.

Welches Material verwenden

Ich habe für die meisten Teile entweder gehobelte Baulatten (44×22 mm) oder günstige 19mm Drei-Schicht-Platten verwendet, die ich für den Look schwarz lackiert habe. Für die Teile, bei denen das Holz sichtbar sein soll (Tischplatte und Deckplatten der Racks) habe ich mich für Eichen-Leimholz entschieden, in 18mm Dicke.

Dübelverbindungen

Die meisten Teile sind mit Holzleim und 6 mm Dübeln verbunden, was eine stabile und gleichzeitig unsichtbare Verbindung ergibt. Um das präzise Einzeichnen der Dübel-Bohrungen hinzubekommen, habe ich mir für ein paar Euro ein Set gekauft (Link hier) aus Holzbohrer, Zentrierspitzen und Tiefenstopp – alles 6mm. Damit lässt sich sehr effizient und genau arbeiten: mit dem Tiefenstopp die richtige Bohrtiefe einstellen (z.B. bei 30 mm langen Dübeln 13 mm in die Platten und 19mm in die Kanten), in die Kante bohren, Zentrierspitze einsetzen, Position der Bohrung durch Andrücken der Platte übertragen, Platte bohren – voilà! Unendlich viel besser, als die Position jeder Bohrung abzumessen und am Ende passt es dann doch nicht… Schau dir das Video an, dort sieht man gut, wie diese Dinger verwendet werden.

Finish

Die schwarzen Teile habe ich mit Acryllack matt lackiert. Das ist ganz einfach: Zeitungspapier auslegen, mit Pinsel dünn bestreichen, zwischentrocknen, nochmal streichen. Pinsel am Zeitungspapier abwischen, mit etwas Pinselreiniger benetzen und möglichst luftdicht in einen Plastiksack einpacken, damit er nicht eintrocknet. So kann ein Pinsel später wiederverwendet werden.

Die Eichenholzteile habe ich geschliffen (mit dem Exzenterschleifer in Körnung 80, 120, 180, 240 und am Schluss 400) und mit Danish Oil geölt. Dafür das Öl mit einem Schwamm einreiben, 20 Minuten später mit Küchenpapier oder Lappen aus altem T-Shirt abwischen. Ab nächsten Tag wiederholen. Ab 3–4 Schichten wird die Oberfläche glänzend. Wer lieber einen matten Finish will, kann anstatt Danish Oil dieselbe Prozedur mit Leinölfirnis machen.

Wichtig: Schwamm nicht abwaschen, sondern in einem Marmeladeglas luftdicht aufbewahren. Kann sich sonst entzünden. Mit dem Lappen dasselbe machen oder eine Woche auslüften und danach entsorgen. Wer einen Holzofen hat, kann das benutzte Küchenpapier auch mal im Ofen mitverbrennen.

Auch wichtig: Nach dem Ölen braucht der Finish 1–3 Wochen, um die Schutzschicht zu bilden und auch damit der Geruch verschwinden kann.

Auch noch wichtig: Um die Oberfläche ganz glatt zu bekommen, lohnt es sich während dem Schleifprozess einmal das Holz mit Wasser einzureiben, damit die Fasern sich aufstellen können. Danach das Wasser ganz austrocknen lassen und direkt danach mit frischem Schleifpapier in Faserrichtung schleifen und damit die aufgestellten Holzfasern mitnehmen.

19-Zoll-Racks

Vorgehen:

  • Platten zuschneiden
  • zuerst Seitenteile bohren
  • dann Bohrungen auf Deckplatte übertragen
  • Seitenteile lackieren
  • Dübel einsetzen
  • verleimen
  • Rack-Schienen anschrauben

Ich habe diese Schienen hier verwendet (in 2 halbiert): Link. Und dazu dieses Set mit Schrauben und Käfigmuttern: Link.

Die Breite der Racks ist auf 19 Zoll fixiert. Das Wichtige dabei ist der Abstand der Lochraster, der 465 mm betragen muss. Daraus ergibt sich je nach Schienenbreite und Wandstärke die totale Breite der Racks: Breite (R) = 2 * Wandstärke + Schienenbreite + 465.

Die Höhe hängt davon ab, wieviele Höheneinheiten gebraucht werden, bei mir waren es vier. Grundregel: 1 HE = 44.45 mm. Ich empfehle 4 HE, weil sich damit auch die perfekte Höhe für einen Bildschirm ergibt.

Studiotisch selber bauen: Rack Abmessungen

Die Tiefe ist frei wählbar, wobei ich gemerkt habe, dass mehr als 20 cm nicht nötig ist, um die meisten Rack-Apparate zu verdecken. Ich habe sogar eine 40cm tiefe Endstufe drin und es fällt überhaupt nicht auf, dass sie zur Hälfte hinten raus schaut.

Seitenteile und Stützkreuze

Auf diesen Teilen steht das Ganze. Es gibt zwei äussere und zwei innere platten.
Vorgehen:

  • vordere Kante 30° anschrägen (nur bei den äusseren Platten nötig)
  • obere Kante bohren für Dübel
  • Position der Bohrungen auf die Racks übertragen
  • Racks bohren
  • Kreuz aus Baulatten bauen: in der Mitte einfräsen, Enden 45° anwinkeln und vorbohren
  • Kreuz hinten anschrauben

Die höhe der Seitenteile ergibt mit der Dicke der Tischplatte die Tischhöhe, die 75–80 cm betragen sollte. Die Tiefe der Seitenteile setzt sich aus der (angeschrägten) Tiefe der Tischplatte und der Tiefe der Racks zusammen. Unten in der Skizze sind 613 mm eingezeichnet. Die Formel dafür ist = (600 – R * 0.5) * 1.155 + T, wobei 600 die Tischtiefe ist, R die Rackbreite (aussen) und T die Racktiefe. Gern geschehen.

Die inneren Seitenteile sind etwas kürzer, um die Beine und den Keyboardauszug nicht zu stören. Sie sollten länger sein, als nur die Racktiefe, damit sie für die Tischplatte eine zusätzliche Auflage bieten. In meinem Fall überragen sie 10 cm und sind damit 320 mm lang.


Die Stützkreuze sind aus Baulatten gemacht. Die Bemassung anhand des Abstands zwischen dem inneren und dem äusseren Seitenteil (c) lässt sich nach den folgenden Formeln berechnen:

Tischplatte

Die Tischplatte hat zwei um 30° angewinkelte Ecken, die direkt an die Racks angrenzen und deswegen nicht perfekt abgeschnitten werden müssen. Die anderen zwei Ecken sind auf der Vorderseite und gut sichtbar – diese bilden eine Linie mit den äusseren Seitenteilen und sind um 60° angewinkelt. Die Tiefe des Tisches hängt von der verfügbaren Plattenbreite ab, wobei ich 60 cm optimal finde, weil sonst die Racks zu weit weg sind. Die gesamte Breite der Tischplatte ergibt sich aus der Breite des Keyboards, welches man verstauen will – in meinem Fall 130 cm.

Vorgehen:

  • Ecken abschneiden
  • Dübelbohrungen zuerst mit 6mm in den Seitenplatten
  • Bohrungsposition auf Tischplatte übertragen – eine Bohrung nach der anderen! (siehe Video)
  • Tischplatte 5mm bohren für die Einschraubdübel
  • Bohrung in der Seitenplatte auf 8mm ausbohren
  • Position für die Beschläge abmessen und einzeichnen
  • Mit einem 15mm Holzbohrer auf der Seite einfräsen für den Exzenterbeschlag
  • Tischplatte schleifen und ölen, wie oben beschrieben

Die genauen Angaben entnimmst du dem Beipackzettel der Exzenterbeschläge bzw. der Einschraubdübel.

Hier noch die Bemassungen inkl. Formeln für die Seitenlänge S. Das K steht für Keyboardbreite und die 50 mm sind ein Abstand, damit die Seitenteile nicht in die Quere kommen.

Keyboardauszug

Da ich ein 25 schweres Keyboard wackelfrei stabilisieren und dabei in die Tasten hämmern will, müssen Führungen her, die das auch aushalten. Ich habe mich für Linearführungen von igus entschieden, die aus mehreren kleinen Schlitten aus Spezialplastik bestehen, die in Alu-Profilschienen laufen.

Zur Stabilisierung der Profilschienen, werden sie auf Stahlwinkelprofile geschraubt. Die Auflage für das Keyboard besteht ebenfalls aus zwei Stahlwinkelprofilen, die direkt mit den Schlitten verschraubt sind. Die Länge der Schienen und Profile ergibt sich aus der Tiefe des Keyboard mal zwei. In meinem Fall ist das Keyboard 34 cm tief und somit sind die Schienen 68 cm lang. Ausnahme sind die unteren Winkelprofile, die die Schienen stabilisieren – die sollten so lange sein, dass du sie unter dem Tisch montieren kannst.

Die Montage habe ich mit Holzteilen gelöst: auf der Innenseite der äusseren Seitenteile jeweils einen kleinen Holzblock geschraubt, der das Winkelprofil trägt und auf der Innenseite der inneren Seitenteile ein Holz-Winkel aus Baulatten, der das Winkelprofil trägt. Die Abmessungen dieser Holzteile sind an sich nicht wichtig, müssen aber anhand zweier Kriterien ermittelt werden: die Schiene muss genau 30° zu den Seitenteilen bilden + die beiden Auflagepunkte (Holzblock vorne und Holz-Winkel hinten) müssen waagrecht sein. Dabei musst du noch beachten, dass das Keyboard letztendlich knapp unter der Tischplatte landet, ohne sie zu berühren. Um das Keyboard zu schützen, kann etwas Gummi oder Filz auf die Winkelprofile geklebt werden.

Tipp: Eine der beiden Führungen 30° zum Seitenteil montieren, dann Tischplatte montieren und ganz am Schluss die zweite Führung nicht 30° zum Seitenteil, sondern parallel zur ersten Führung montieren – so hast du ganz sicher zwei parallele Schienen. Einfach vorne und hinten den Abstand messen und schauen, dass er gleich bleibt.

Bildschirmauflage, Kabelkanal, Stauraum

Die Auflage wird nur geschnitten und lackiert. Die Montage erfolgt über Bodenträger, für die in den Racks (auf der richtigen Seite!) ein je zwei Bohrungen gemacht werden.

Darunter aus drei Baulatten einen Aufbau machen, aus zweier Gründen: erstens damit die Kabel, die beide Racks verbinden, einen Kanal haben und zweitens, um darauf eine Ablage zu haben für Stauraum. Den Lattenaufbau habe ich nicht gemessen, sondern nach Augenmass gemacht. Die genaue Grösse ist hier auch nicht wichtig.

Als Ablage habe ich ein Schuhregal aus dem IKEA verwendet, der nur ein paar Euro kostet und den Job perfekt erledigt: Ich kann jetzt die ganze Peripherie, Controller oder sonstiges Material ganz simpel unter dem Bildschirm verstauen, wenn ich freien Tisch haben will. I love it!

Für die Kabelführung habe ich ein dünnes Aluprofil in 10 cm Stücke geschnitten, mit je zwei Schrauben angeschraubt und dann in Hacken-Form gebogen. Sehr simpel und hält viele viele Kabel.

Lautsprecherstands

Die genauen Abmessungen der Lautsprecherstands kannst du vonder Grösse und der gewünschten Höhe deiner Lautsprecher ableiten. Der Aufbau ist sehr simpel und erinnert irgendwie an die guten alten Sitzhocker, die es in der Form heutzutage leider nicht mehr gibt.

Vorgehen:

  • Skizze anfertigen, alle Teile ablängen und anschreiben
  • zuerst alle horizontalen Teile auf beiden Seiten bohren
  • Die Bohrungspositionen auf die vertikalen Teile übertragen
  • Vertikalteile bohren
  • Vorder- und Hinterseite zusammensetzen
  • Alles bis auf die Deckplatte zusammensetzen
  • Für die Deckplatte bohren, übertragen, nochmal bohren
  • Deckplatte mit Dübeln verleimen
  • Lackieren

Wichtig ist, die Dübel so zu platzieren, dass sie aneinander vorbeigehen, d.h. jeweils versetzt (siehe Bild).

Alles klar?

Und so kann man einen Studiotisch selber bauen! Ich hoffe du konntest aus diesem Artikel die nötigen Infos holen, die du für deinen Studiotisch brauchst. Hast du Fragen, Anregungen, Korrekturen? Schreib mir. Ich will, dass diese Seite vielen Heimwerker-Produzenten hilft, ihren eigenen Studiotisch selber zu bauen.

Studiotisch selber kaufen statt selber bauen

Keine Zeit zum Bauen? Du kannst einen Studiotisch auf Mass auch bei mir bestellen.

-> Hier geht es direkt zum Konfigurator.

  • Posted in: lia